in|ad|ae|qu|at seis gedankt: ein Bann ist gebrochen, eine verhängnisvolle Denk- Schreibblockade zum Projekt "Blog 4 Burma". Das Sinnieren über Möglichkeiten und Verbindlichkeiten ein Thema auch abseits der Agenturticker zu beobachten, wach zu halten, hinzuweisen: Klar ist nun, dass ohne greifbare Aktualität das Schreiben über ein fernes Land stocken wird. Hinter- Hinter- Hintergrundwissen kann nur aus speziellsten Kanälen herausgepickt werden, darin sind Menschen mit direktem Bezug zum Thema jedoch um vieles näher dran (siehe die wunderbar daueraktiven spanischen Teilnehmer am Netzwerk), unsere Stimme ist ohne Pressespeisung kläglich verstummt.
Stärker in den Vordergrund kann nun aber der zweite Gedanke des ursprünglichen Vorhabens treten: ...
September 2007: In einer Abfolge von friedlichem Ausbruch und brutaler Niederschlagung äußert sich die Verzweiflung vieler Menschen in Burma ob der Unterdrückung durch das Militärregime. Ob man hier nun den 27. September oder einen anderen Tag als "Jahrestag" bezeichnen mag, sei dahingestellt, am 27. jedenfalls wurden Proteste mit gezielten Schüssen beantwortet, zwischen Neun (laut Regierung) und Einhundert (laut unabhängigen Quellen) Menschen fanden den Tod. Auch der japanische Journalist Kenji Nagai war unter den Opfern, ein Foto des sterbenden Journalisten war Gegenstand des Pulitzer-Preises für Pressefotografie 2008 ("war Gegenstand" ist die direkte Übersetzung aus dem englischen Wiki-Artikel, und passt wohl ...
Dröhnende Bewegtbilder aus dem Vogelnest, stolze chinesische Staatsfunktionäre als Gastgeber für zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs von George W. Bush (USA) über Nicolas Sarkozy (Frankreich) bis General Thein Sein (Burma). Juntachef Than Shwe selbst hat von einer Teilnahme abgesehen, Simbawes Präsident Robert Mugabe war schon bis Hongkong gereist, bevor er die Ablehnung seiner Anwesenheit bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zur Kenntnis nehmen musste. Recht geschickt blendet die Chinesische Regierung aus Rücksicht auf europäische und amerikanische Proteste Interessen einige Country-Connections ganz oder teilweise aus: tatkräftige Unterstützung im Hintergrund, weiße Weste für die Fernsehkameras. Wenigstens das Fackelträgeramt von Lopez Lomong für die USA ...
Wenig Aufmerksamkeit für Burma zur Zeit: Genau hier will das Netzwerk "Blog 4 Burma" einhaken, genau jetzt sind wache Notizen, Berichte und Beobachtungen von Nöten. Einige der Meldungen aus den letzten Wochen laufen allerdings in divergente Richtungen, Nachdenklichkeit des Bloggers ob der zu findenden persönlichen Position hält Einzug, anbei die Trackbacks zu Medienfunden sowie der Versuch einer Einordnung in das individuelle Weltbild.
1) Ausführlich dokumentiert auf Birma News United und in|ad|ae|qu|at fabuliert Alice Schwarzer über beschauliche touristische Impressionen ihrer Reisen durch das Land. Freundliche Menschen, berauschende Landschaft und ein autoritäres Regime als "das kleinere Übel für die Bevölkerung " fügen sich ...
immer wieder die ( gültige ) frage nach grenzen und entscheidungen:
eine recht gute artikel-abfolge im österreichischen "Standard" macht nachdenklich über den "Schwellwert", ab welchem eine ( militärische ) intervention in einem land möglich, sinnvoll oder gar notwendig erscheint. genügt "unterlassene hilfestellung" (wie zur zeit in Burma), oder müssen tötungen und großflächige verdrängungen unter minderheiten geschehen ( wie in srebrenica ), um das eingreifen anderer staaten zu rechtfertigen ? wie lange kann eine gewaltregierung die "einmischung von außen" blockieren? wie sehr muss ein volk leiden, bis es aktives eingreifen anderer staaten erwarten darf?
der artikel von hans rauscher findet sich auch online ...
da dachte man:
ein Referendum ohne echte Wahl sei niederträchtig
Nothilfe für die Flutopfer zu verzögern sei unerträglich
Hilfsgüter, doch keine Helfer ins Land zu lassen sei unmenschlich
nun erfährt man fassungslos von weitererer Steigerung des Wahnsinns:
"Etikettenschwindel mit Hilfsgüter" (orf.at)
"Eher das Volk opfern als die Kontrolle" (zintzen.org)
Solche Berichte machen einfach nur wütend (Auszüge aus den obigen zwei Artikeln):
"Wir haben schon gesehen, dass regionale Kommandanten ihre Namen auf Hilfslieferungen aus Asien geschrieben haben und behaupten, es sei ein Geschenk von ihnen"
Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck "Hilfe aus dem Königreich ...
Erschreckende Realität:
Als Teil des Netzwerks "Blog4Burma" beobachtet man seit einigen Monaten Medien und Meldungen aus und zu Burma, politisches vor allem, sammelnd, vergleichend, suchend, abwägend. Zunächst das große mediale Interesse nach den brutal niedergeschlagenen Demonstrationen, danach das Abgleiten in die Kleinspalten, bis zur medialen Stille zwischen Januar und April. Keine Treffer bei der Agentursuche, geringe Hoffnung auf ein demokratisches Wunder rund um das Referendum, Stagnation der Aktivitäten von UNO, EU, USA.
Dann das: 100.000 Tote.
Einige Tage Paralyse, was da mit dem Land, welches aus der Entfernung nun doch schon etwas näher ans eigene Bewusstsein gerückt ist, passiert ist, alle Schlagzeilen voll, ...
So war das nicht beabsichtigt: Sonntag Abends hingesetzt, um weitere Details über Kurzwellen-Radiosender zusammenzufassen, da schlägt der Agentur-Client mit einer Eilt-Meldung zu Burma an (Quelle: APA.at) :
Augenzeugen: Zwei Bombenexplosionen in Rangun
Utl.: Keine Angaben über Opfer =
Rangun (APA/AP) - In Rangun (Yangon), der größten Stadt Burmas, sind am Sonntag nach Augenzeugenberichten zwei Bomben explodiert. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Bomben seien in einem Abstand von etwa einer Stunden an zwei verschiedenen Orten im Zentrum detoniert, erklärten die Zeugen. Sie wollten ihren Namen aus Furcht vor Repressalien durch das Militärregime, das in ...
<Wellenlängen>
Aus der komfortablen Perspektive der mitteleuropäischen Mediensättigung ist es kaum vorstellbar, wie sich ein neutraler Informationsdienst via Kurz- Mittel- oder Langwelle für ein unterdrücktes Volk in Realitas abbilden könnte. Während Öffentlich-Rechtliche Rundfunkveranstalter allerortens die entsprechenden Ausstrahlungen einstellen, müsste, könnte und sollte "das Radio" eine der wenigen Möglichkeiten bieten, objektive Berichte der "Außensicht" auf Zustände unter die Bettdecke zu liefern (schaudernd denkt man an Berichte, wie unter nationalsozialistischer Herrschaft die freundlichen Nachbarn zum größten Feind werden konnten).
In der aktuellen Berichterstattung findet sich ein Hinweis auf einen verhafteten Ortsvorsteher, der wegen Abhören von "Feindradio" aus dem Ausland von den Militärs inhaftiert wurde, ...
Wochenlange Ratlosigkeit beim Blick in die Newsfeeds der großen Agenturen mit den Suchworten "Burma", "Birma" und "Myanmar":
Von der relativ intensiven Berichterstattung rund um die niedergeschlagenen friedlichen Demonstrationen im letzten Sommer/Herbst ausgehend, war für uns die vergleichende Forschung angesetzt, Quersichten wer - was - wann - wie Schreibt, Zeigt und Sendet. Nachdem sich (wie an sich erwartet) der Fokus der Ressorts "Foreign Affairs" auf andere Länder verschoben hatte, bricht auch die Berichterstattung über die Berichterstattung in sich zusammen. Worüber Schreiben, wenn nicht geschrieben wird? Was aufzeigen, wenn mangels direkt zählbarer Todesopfer kein "Einserkastl", aber auch keine Kleinmeldung unter "Vermischtes" mehr aufzufinden ...
nun habe ich eine woche "ausgelassen" (inadaequat war so freundlich die vorwöchliche-schau zusammenzustellen), bemerkenswertes ist in diesen tagen eher im hintergrund der b4b-gemeinschaft abgelaufen: wie sich zeigte, ist das gemeinsame anliegen aber wichtiger als kleine missverständnisse, das Thema hält zusammen, die gruppe ist gut aufgestellt, schön auch, das es einen weiteren weggefährten gibt:
KHAIPI.NET
dank auch an breaking-news.de für das aktualisierte/personalisierte logo:
nun aber in die thematische sachlage: Achtzehn (ja, 18) Meldungen nur in der letzen woche, und auch das wahrscheinlich nur, da man (leider) über opferzahlen berichten konnte, das kommt immer gut im news-geschäft.
nie werde ich die selbsterlebte situation vergessen: ...
ja, wie erwartet wird es still und immer stiller: keine toten, kein UN-gesandter, keine ver/enthaftungen: klassischer fall von non-breaking-news. Die haupt-themen der letzten woche in der APA kreisen um Naher Osten (Annapolis-Vorschau, Libanon-Präsidentendebakel), Dollarkurs, Ölpreis, Pakistan, Kosovo und Streiks zwischen Hamburg und Marseille. Kein Platz für die immer noch unterdrückten, inhaftierten, verängstigten bürger eines der vormals reichsten länder Asiens.
Grade mal 13 echte Meldungen in 7 Tagen bei der Österreichischen Presseagentur, 15 bei der Associated Press, kein einziger längerer Beitrag in den Ö1-Journalen. Was bleibt zu berichten?
Die APA meldet mit immerhin kritischem unterton die unterzeichnung der ASEAN-Menschenrechts-Charta durch Burma: eine Farce, ...
das experiment burma-blog-netzwerk schwingt sich ein, wichtig scheint mir jetzt der lange atem: das thema soll auch abseits der hauptmeldungen im alltag von bloggern präsent sein. dazu passend hier nun auch das gemeinsame "logo" der kleinen gemeinschaft, wunderbar designed vom betreiber von breaking-news.de und der hintergrund-seite blog4burma.
meine beobachtungen der letzten woche:
nur mehr 46 meldungen in APA, AP und den Ö1-journalen
Hauptthema besuch des UN-Menschenrechtsbeauftragten Sergio Paulo Pinheiro
anzahl der todesopfer bei der niederschlagung der massenproteste wird offiziell mit 15 angegeben (-> siehe dazu auch stark abweichende inoffizielle angaben)
burmesische junta lässt als pr-aktion für Pinheiro 6 inhaftierte frei
im detail:
die österreichische presseagentur bietet wieder ...
die auswertung der letzten woche ergibt folgendes bild, als quellen wurden der standard in print, sowie die österreichische presseagentur, die orf-ö1-journale, die agenturen ap und tanjug herangezogen.
63 echte Meldungen insgesamt, davon:
37 in AP, 1 in tanjug, 4 in den ORF Journalen, 19 in der APA, 2 im print-standard.
Meldungszeit über die Woche regelmäßig verteilt, mit einer spitze am 9. November um 19 Uhr.
tanjug meldet "burma" nur als winzige erwähnung im kontext von merkels besuch bei bush.
APA meldet ausführlich über den Burma-Besuch es UN-Menschenrechtsbeauftragten Paulo Sergio Pinheiro, die Kooperationsbereitschaft von Aung San Suu Ky und deren neuerliches treffen mit Ibrahim Gambari (welches ...