Dröhnende Bewegtbilder aus dem Vogelnest, stolze chinesische Staatsfunktionäre als Gastgeber für zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs von George W. Bush (USA) über Nicolas Sarkozy (Frankreich) bis General Thein Sein (Burma). Juntachef Than Shwe selbst hat von einer Teilnahme abgesehen, Simbawes Präsident Robert Mugabe war schon bis Hongkong gereist, bevor er die Ablehnung seiner Anwesenheit bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zur Kenntnis nehmen musste. Recht geschickt blendet die Chinesische Regierung aus Rücksicht auf europäische und amerikanische Proteste Interessen einige Country-Connections ganz oder teilweise aus: tatkräftige Unterstützung im Hintergrund, weiße Weste für die Fernsehkameras. Wenigstens das Fackelträgeramt von Lopez Lomong für die USA ist ein (von Sportlern und Funktionären gesetztes) Zeichen gegen die Machenschaften von Mugabe im Sudan.
Glückszahl 8: Dank dem Weckruf auf in|ad|ae|qu|at einen Tag vor dem olympischem Datum 08082008 und dem Gedenken an den fatalen 8. August 1988 mit Fakten versorgt, verschwimmen bei der tagesaktuellen Medienrecherche mythische Symbolik, hohe Weltpolitik und menschliches Leid. Zunächst die Quersicht der Radiosender mit burmesichem Bezug:
BBC BURMESE beschreibt die angespannte Lage in Burma, ein großes Militäraufgebot soll jeden Erinnerungsprotest an 1988 schon im Keim ersticken. 48 junge Männer, die bei einem ruhigen Marsch bloß T-Shirts mit der Aufschrift “8-8-88″ trugen, wurden in der Provinzstadt Taunggok verhaftet.
VOA BURMESE berichtet angesichts des Photos ebenfalls von den Sicherheitsvorkehrungen zum Jahrestag der Tragödie (inoffiziell gab es am 8. 8. 1988 rund 3.000 Tote), mangels Schrift- und Sprachkenntnissen kann aber kein weiterer Inhalt dekodiert werden. (Bildrechte: VOA)

Radio Free Asia Burmese gibt sich überraschend handzahm, zeigt keinen Eintrag mit Datum 8-8-08 (die Glückszahl mutiert hier zur chinesischen “4″, die so wie die amerikanische “13″ oft bei Nummerierungen ausgelassen wird). Laura Bush lächelt inmitten freundlicher Burma-Flüchtlinge, den Besuch im MAE LA REFUGEE CAMP in Thailand nutzt Sie neben einigen mahnenden Worten an die Junta vor allem für Folklore. (Bildrechte: RFA)

Auch Agenturen und Zeitungen verzahnen heute die Metatags <Burma> <Myanmar> und <8-8-88> mit <Peking> <Bush> und <Olympia 2008>, als Nachtrag kommt auch der Name <Tomas Ojea Quintana> vor: der seit Mai tätige neue UNO-Sondergesandte für Menschenrechte hat sich rechtzeitig vor dem 8. August schon wieder aus Burma verabschiedet, und durfte auch nicht mit Aung San Suu Kyi zusammentreffen.
Ein sehr persönlicher Hintergrundbericht über die Abläufe rund um den 8. August 1988 findet sich auf irrawaddy.org: Dominik Faulder hatte sich bis 6. August in Rangun aufgehalten, und beschreibt auch, weshalb das Militärregime die damaligen Proteste als ein aus dem Ausland geschürtes Komplott beschrieben hat: Die erste Meldung über den Protesttermin 8. August kam über BBC Radio.
…it was the BBC that finally communicated one of the most crucial pieces of information: the demonstrations would begin on the morning of August 8, in other words on 8/8/88. The report came from a young correspondent, Christopher Gunness. Though it was a first-rate piece of news reporting precisely reflecting the word on the street, the Burmese authorities have since attempted to misrepresent it as evidence of some kind of international conspiracy.
ASSOCIATED PRESS berichtet heute von den Protesten aus Anlass des Jahrestages, vor allem den Kundgebungen vor Chinesischen Botschaften in Thailand, Bangkok und Manila:
They chanted “Free Burma, Free Aung San Suu
Kyi,” burned a Burmese flag and threw red paper airplanes over the embassy wall with the message “We will never forget. We will never give up. 1988.”

Die AUSTRIA PRESSE AGENTUR reiht sich in den Burma-Bush-Olympia Zyklus ein, und fasst (siehe Wortgleiche mit obigem AP-Artikel) das Gedenken an den 8. August zusammen:
In Rangun wurden vor dem Jahrestag die Sicherheitskräfte verstärkt. Hunderte Bereitschaftspolizisten waren an wichtigen Kreuzungen zu sehen. “Ich habe jede Hoffnung verloren, dass sich etwas durch Massenproteste ändert”, erklärte der Dissident Min Aung, der schon 1988 auf die Straße ging und auch im vergangenen Jahr wieder demonstrierte, als buddhistische Mönche Proteste gegen Preissteigerungen anführten. “Es ist schwierig, Proteste zu organisieren, weil viele Führer inhaftiert sind oder sich verstecken müssen.” …. Etwa 100 Demonstranten versammelten sich vor der Botschaft Burmas in Bangkok und skandierten “Befreit Burma, befreit Aung San Suu Kyi”. Sie warfen rote Flugzeuge mit der Aufschrift “Wir werden nie vergessen. Wir werden nie aufgeben. 1988″ über die Mauern auf das Botschaftsgelände. Auch vor den burmesischen Vertretungen in Manila und Tokio versammelten sich Demonstranten
Das Blogger-Netzwerk ‘Blog 4 Burma’ berichtet weiterhin von den Geschehnissen rund um das unterdrückte Volk, an Jahrestagen, Glücksdaten, aber auch ganz normalen Werktagen:
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Blog4Burma: internationaler RSS-Feed
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Birma News United: Call for collective Protest 8.8.2008
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Bloguer ou ne pas bloguer: L’opposition célèbre le soulèvement du 08-08-88
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Birmanie, mon coeur saigne: La Birmanie n’est pas, hélas, le seul pays ou les “Droits de l’homme” sont bafoués
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Birmania Libre: País fantasma [y tercera parte]
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Burma Berichterstattung: Vor 20 Jahren Niederschlagung der Demokratiebewegung


[...] B4B : Medienretrospektive zur unglückseligen Glückszahl 8. [...]
diesem hervorragenden beitrag möchte ich einen etwas detaillierteren bericht über die ursachen und ereignisse am 8. 8. 88 beifügen - da hat auch wikipaedia noch einiges nachzuholen -
Schicksalhafter Beginn der Opposition von Aung San Suu Kyi - Vor 20 Jahren schlug die burmesische Junta die Volksbewegung in Rangun blutig nieder ( Manfred Rist , NZZ print , 8. 8. 2008 )
Am 8. August 1988 sah das burmesische Militär, das Rangun seit Wochen kontrollierte, dem Aufmarsch der Bevölkerung tagsüber tatenlos zu. Aus allen Landesteilen, vor allem aber aus der Delta-Region, waren Tausende von Demonstranten in die Hauptstadt geströmt. Sie campierten auf den zahlreichen Grünflächen und versammelten sich regelmässig auf den breiten Hauptachsen, die ins Zentrum der Metropole führen. Bereits in den Tagen zuvor waren wegen des Zulaufs die Sule- und die Shwedagon-Pagode, traditionell die Zentren des Widerstands, abgeriegelt worden. Die unbeschwerte Zuversicht, dass man mit dem friedlichen Protest, der das ganze Land erfasst hatte, die Soldaten zum Stillhalten und die Militärregierung zum Abdanken zwingen könnte, schien grenzenlos. Symbolträchtig - um acht nach acht Uhr morgens - legten auch die Hafenarbeiter ihre Arbeit nieder und schlossen sich den Demonstrationszügen an.
Studenten als Anführer
Dass Burmas Weg in den Sozialismus, den der damals immer noch im Amt sitzende Diktator Ne Win nach einem Putsch 1962 eingeschlagen hatte, in eine Sackgasse führte, war längst klar: Ende 1987, als sich die meisten asiatischen Länder mit Riesenschritten industrialisierten, war Burma auf den Stand der am wenigsten entwickelten Nationen abgesunken und weitgehend von japanischer Entwicklungshilfe abhängig. Um der galoppierenden Inflation Einhalt zu gebieten, hatte die Regierung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Geldscheine im Wert von 75, 35 und 25 Kyat für ungültig erklärt. Wochen später wurden sie durch Noten ersetzt, deren Nominalwert sich durch neun teilen liess - die Lieblingszahl des Diktators. Wer damals Erspartes in bar besass, verlor dieses von einem Tag auf den anderen. Kleinere Demonstrationen gegen diese Art von Misswirtschaft und Willkür der Regierung fruchteten nichts. Schon Monate vor dem August 1988 wurden sie niedergeknüppelt; die Gefängnisse wurden gefüllt. Bei den Inhaftierten und Opfern handelte es sich meist um Studenten.
Zu den Merkmalen der burmesischen Sicherheitskräfte gehört, dass sie nicht ohne Vorwarnung schiessen. Bei Einsätzen werden auch immer Feuerwehrfahrzeuge mit Wasserwerfern aufgefahren. Nicht etwa um Leute zu vertreiben, sondern um Blutspuren zu entfernen. Das war auch am 8. August so: Als gegen Abend rund eine Million Menschen protestierten, den Rücktritt der Militärjunta und die Einsetzung einer Zivilregierung forderten, trat der Befehlshaber von Rangun, General Myo Nyunt, im Stadtzentrum vor die Menge und forderte sie auf, nach Hause zu gehen. Andernfalls werde geschossen. Da sich aber auch viele Mönche unter den Demonstranten befanden, schien dies vielen unwahrscheinlich. Die Drohung wurde ignoriert, man sang die Nationalhymne. Tatsächlich passierte stundenlang nichts.
Erst spät nach Einbruch der Nacht gerieten die Truppen in Bewegung und machten die Drohung des Kommandanten wahr. Die Dunkelheit verstärkte die Panik. Mit Maschinengewehren wurde auf die fliehenden Massen gefeuert. Stundenlang und bis tief in die Nacht dauerte das Gemetzel an Zivilisten und Mönchen. Die Toten wurden weggeschafft, Verletzten wurde die Hilfe verweigert, die Verhafteten wurden ohne Prozess eingekerkert. Selbst Spitalpersonal, das bei den Truppen um Nachsicht bat, wurde erschossen. Laut Schätzungen kamen in jener Nacht und in den Tagen danach mindestens 3000 Menschen ums Leben. Den schiessenden Truppen, die aus fernen Landesgegenden herbeigeschafft worden waren, war eingetrichtert worden, Kommunisten wollten die Kontrolle des Landes übernehmen. ( … )
[...] -Adaequat beschreibt, wie schon frühzeitige “Massnahmen”der Militärs sichtbar waren, Kundgebungen zu unterdrücken, Demonstranten zu inhaftieren. [...]
[...] , Birmaia libre ruft mit zwei Video- Clips die staatliche Gewalt in Erinnerung , adaequat hat ein Digest der Medien- und Agenturberichte zusammengestellt [...]
[...] http://www.adaequat.org/2008/08/08/b4b-medienretrospektive-zur-ungluckseligen-gluckszahl-8/ [...]