immer wieder die ( gültige ) frage nach grenzen und entscheidungen:
eine recht gute artikel-abfolge im österreichischen “Standard” macht nachdenklich über den “Schwellwert”, ab welchem eine ( militärische ) intervention in einem land möglich, sinnvoll oder gar notwendig erscheint. genügt “unterlassene hilfestellung” (wie zur zeit in Burma), oder müssen tötungen und großflächige verdrängungen unter minderheiten geschehen ( wie in srebrenica ), um das eingreifen anderer staaten zu rechtfertigen ? wie lange kann eine gewaltregierung die “einmischung von außen” blockieren? wie sehr muss ein volk leiden, bis es aktives eingreifen anderer staaten erwarten darf?
der artikel von hans rauscher findet sich auch online verlinkbar, er verweist auf robert d. kaplan welcher ein militärisches eingreifen der USA in Burma befürwortet. Rauscher gibt sich vorsichtiger, wägt ab, kann sich letztlich aber auch nicht zu einer meinung durchringen und formuliert allgemein:
“…Aber im Grundsatz sollte eine militärische Intervention zur Durchsetzung humanitärer Hilfe nicht undenkbar sein.” (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.5.2008)
im beitrag von julia raabe wird der “UN-sonderberater für die schutzverantwortung”, edward c. luck zitiert:
„Wir sehen in Burma nicht eine klare Absicht der Führung, die Bevölkerung zu schikanieren, sondern eine chronisch schlechte Regierungsführung, unter der das Volk leidet“ (DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2008)
“chronisch schlechte regierungsführung” ist dabei wohl die maximal mögliche untertreibung. wenn dies der berater von ban ki-moon so formuliert, wird wohl der besuch des UN-generalsekretärs in Rangon heute mittwoch keinerlei druck auf die junta und keinerlei hilfe für die bevölkerung als ergebnis bringen. eine “geberkonferenz” ist sicher sehr willkommen, wenn das geld dann von den machthabern persönlich in die eigenen taschen verteilt werden kann.
die formulierung “unpolitische hilfe” im titel kommt aus einem bericht von rt in der nzz. im laufe der eben abgeschlossenen ASEA aussenminister-konferenz in singapur soll die militärregierung zu einer öffnung für hilfsgüter bewegt worden sein, allerdings nur wenn diese hilfe nicht direkt von “westmächten” oder der UNO, sondern über den umweg einer ASEAN-schirmherrschaft angeboten wird:
“…Unter der Leitung von Asean-Generalsekretär Surin Pitsuwan und in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen soll Burma mit dem Aufbau eines Koordinationsbüros beginnen. Beobachter verstehen darunter, dass bei den Hilfeleistungen die Uno als treibende Kraft wirkt, zur Gesichtswahrung aber die Asean eine aktivere Rolle spielt…” (nzz, printausgabe, 21. mai)
der französiche aussenminister bernard kouchner dagegen fordert laut in einem artikel in der nzz eine intervention:
“In der Tageszeitung «Le Monde» schrieb der französische Aussenminister Bernard Kouchner, wenn der Sicherheitsrat nicht handle, mache er sich der Feigheit schuldig.” (Roman Elsener in der nzz-printausgabe vom 20.mai)
ein wirklich interessanter artikel zur entwicklung der militärregierung und dem aufgezwungenen namenswechsel von Burma nach Myanmar ist von Gunther Neumann zu finden: mit seinem praktischen wissen aus dem land kann er auch plausibel darlegen, dass diese beiden landesnamen in Burma selbst überraschender weise recht ähnlich klingen, und das “M” nur eher dem “Hochburmesisch” zuzurechnen wäre. überraschend auch die mitteilung, dass George Orwell einige jahre als britischer militäroffizier in Burma stationiert war. Die (auch innerhalb B4B geführten ) Diskussion über Burma, Birma oder Myanmar jedenfalls scheint mit diesen einsichten geklärt:
“…Tatsache ist: Myanmar hat den gleichen Ursprung wie Burma (in deutschen Medien meist Birma), und wird in der Landessprache auch faktisch gleich ausgesprochen…”, “…Auch die internationalen Medien sollten sich nicht länger ein M für ein B vormachen lassen.” (Gunter Neumann, DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.5.2008) (Zum Autor Gunther Neumann studierte Geschichte, Kulturanthropologie, Völkerrecht und Sprachen in Wien und Paris. Lange Jahre in Asien, u. a. in Burma als Korrespondent sowie in leitender Position bei internationalen Organisationen für konsensuale Konfliktlösung tätig)
und dieser satz von gunther neumann ( hier ein anderer artikel von ihm ) kann wohl gut für sich stehen:
“Die einzigen Minderheitenrechte im Land bleiben die der herrschenden Militärs.”
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