Erschreckende Realität:
Als Teil des Netzwerks “Blog4Burma” beobachtet man seit einigen Monaten Medien und Meldungen aus und zu Burma, politisches vor allem, sammelnd, vergleichend, suchend, abwägend. Zunächst das große mediale Interesse nach den brutal niedergeschlagenen Demonstrationen, danach das Abgleiten in die Kleinspalten, bis zur medialen Stille zwischen Januar und April. Keine Treffer bei der Agentursuche, geringe Hoffnung auf ein demokratisches Wunder rund um das Referendum, Stagnation der Aktivitäten von UNO, EU, USA.
Dann das: 100.000 Tote.
Einige Tage Paralyse, was da mit dem Land, welches aus der Entfernung nun doch schon etwas näher ans eigene Bewusstsein gerückt ist, passiert ist, alle Schlagzeilen voll, kaum echte Informationen direkt aus dem Land, was kann/soll man da als “kleiner Blogger” hinzufügen, recherchieren, analysieren? Weitermachen jedenfalls, durch die Stille und den Sturm, Anteil nehmen, hinhören, verknüpfen, darstellen, Informationen suchen, vergleichen, aufbereiten.
Zur Erinnerung: die Flutwellen des Tsunami zur Weihnacht 2004 haben 225.000 Opfer gefordert, entlang einer großen Ausdehnung, nun ist man alleine im Irradawwy-Delta schon nahe an dieser Bilanz. Damals jedoch: viele Touristen unter den Opfern, intensivste Anteilnahme europäischer Regierungen, Krisenstäbe, Nachtkonferenzen, wochenlange Großberichte, aufwändige Spendenaktionen. Trotz einiger “erster Seiten” steht die Katastrophe in Burma hier im Vergleich weit zurück.
Gedanken nach konkreten Möglichkeiten: hat man in den letzten Monaten wirklich echte Kontakte geknüpft, die nun sinnvoll einsetzbar wären? Könnte man Geld/Sachspenden direkt an Betroffene bringen? Könnte man bei Regierungsstellen, beim Heer, beim Roten Kreuz konkrete Anliegen formulieren, Mithelfen, tun — ?
Uns vor einer ausweichenden Antwort drückend, klicken wir rasch weiter am Computer herum, Spenden kann man doch gut auch im Virtuellen Sammeln:
- Spendenaufruf Arbeiter-Samariter-Bund-Österreich (nicht Zweckgebunden)
- CARE-Aktivitäten in Burma: “CARE ist seit 14 Jahren vor Ort. Alle 500 CARE-MitarbeiterInnen befinden sich im Einsatz.”CARE ONLINE SPENDE (nicht Zweckgebunden)
- Online-Spende der Diakonie Katastrophenhilfe (Zweckgebunden)
- mhhh, vielleicht sollte man mal das naheliegende aufsuchen und Kontakt mit dem Austrian Burma Center aufnehmen, das klingt schon nach sehr persönlichen Kontakten ins Land?
Einen der Spendenlinks haben wir nun konkret genutzt, die nichtgegebene ausweichende Antwort von weiter oben liegt uns noch schwer in der Magengrube. Wie jedoch kommt nun die Kurve zurück zu Blog4Burma, zur Analyse, zur Politik? Nun, legen wir eine Linkschleife zu Herrn Jörg Lampe, er bemüht sich redlich um die Beobachtung von NGO-Kampagnen im Web 2.0, da weist man als Blognetzwerker (und nicht-NGO) gerne drauf hin: auch wenn wir diesen Link erst nach Erstellung der bisherigen Absätze auffanden, ergeben sich natürlich inhaltliche Parallelen:
Innerhalb des Blog4Burma Netzwerks sei vor allem auf folgende aktuelle Postings hingewiesen:
Und das Referendum? Unsere persönliche Ansicht direkt nach den ersten Meldungen entsprach ungefähr den nun ablaufenden Entwicklungen: Die Junta hält trotz der Katastrophe am Referendum fest, zu groß die Angst, dass in den nächsten Tagen eintreffende ausländische Hilfskräfte auch politisch Einfluß nehmen könnten. Zu verlockend, die Absicherung der eigenen langfristigen Pläne im Chaos noch besser einrichten zu können. Einsichtsvolle Artikel dazu auf CNN, Mizzima und VOA:
- Cyclone poses political risks for Junta
- Junta faces ‘Tipping Point’ from anger over Cyclone
- US Military Prepares for Burma Relief Mission, Awaits Request from Rangoon
Uns bleibt die minimale Hoffnung, das Unglück möge neue Wege für das unterdrückte Volk eröffnen, dauerhafte Hilfswerke, Institutionen: Tatsachen schaffen, denen sich auch das Regime nicht entziehen kann. Aus dem Leid auch Kraft für die Überlebenden durch die Wahrnehmung der Außenwelt, Durchläßigkeiten, Meinungsbildung, Umschwung, nachhaltige internationale Aufmerksamkeit.
Uns bleibt die minimale Hoffnung, 100.000 Menschen sind nicht völlig sinnlos verstorben.
