Dröhnende Bewegtbilder aus dem Vogelnest, stolze chinesische Staatsfunktionäre als Gastgeber für zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs von George W. Bush (USA) über Nicolas Sarkozy (Frankreich) bis General Thein Sein (Burma). Juntachef Than Shwe selbst hat von einer Teilnahme abgesehen, Simbawes Präsident Robert Mugabe war schon bis Hongkong gereist, bevor er die Ablehnung seiner Anwesenheit bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zur Kenntnis nehmen musste. Recht geschickt blendet die Chinesische Regierung aus Rücksicht auf europäische und amerikanische Proteste Interessen einige Country-Connections ganz oder teilweise aus: tatkräftige Unterstützung im Hintergrund, weiße Weste für die Fernsehkameras. Wenigstens das Fackelträgeramt von Lopez Lomong für die USA ist ein (von Sportlern und Funktionären gesetztes) Zeichen gegen die Machenschaften von Mugabe im Sudan.
Glückszahl 8: Dank dem Weckruf auf in|ad|ae|qu|at einen Tag vor dem olympischem Datum 08082008 und dem Gedenken an den fatalen 8. August 1988 mit Fakten versorgt, verschwimmen bei der tagesaktuellen Medienrecherche mythische Symbolik, hohe Weltpolitik und menschliches Leid. Zunächst die Quersicht der Radiosender mit burmesichem Bezug:
BBC BURMESE beschreibt die angespannte Lage in Burma, ein großes Militäraufgebot soll jeden Erinnerungsprotest an 1988 schon im Keim ersticken. 48 junge Männer, die bei einem ruhigen Marsch bloß T-Shirts mit der Aufschrift “8-8-88″ trugen, wurden in der Provinzstadt Taunggok verhaftet.
VOA BURMESE berichtet angesichts des Photos ebenfalls von den Sicherheitsvorkehrungen zum Jahrestag der Tragödie (inoffiziell gab es am 8. 8. 1988 rund 3.000 Tote), mangels Schrift- und Sprachkenntnissen kann aber kein weiterer Inhalt dekodiert werden. (Bildrechte: VOA)
Radio Free Asia Burmese gibt sich überraschend handzahm, zeigt keinen Eintrag mit Datum 8-8-08 (die Glückszahl mutiert hier zur chinesischen “4″, die so wie die amerikanische “13″ oft bei Nummerierungen ausgelassen wird). Laura Bush lächelt inmitten freundlicher Burma-Flüchtlinge, den Besuch im MAE LA REFUGEE CAMP in Thailand nutzt Sie neben einigen mahnenden Worten an die Junta vor allem für Folklore. (Bildrechte: RFA)
Auch Agenturen und Zeitungen verzahnen heute die Metatags <Burma> <Myanmar> und <8-8-88> mit <Peking> <Bush> und <Olympia 2008>, als Nachtrag kommt auch der Name <Tomas Ojea Quintana> vor: der seit Mai tätige neue UNO-Sondergesandte für Menschenrechte hat sich rechtzeitig vor dem 8. August schon wieder aus Burma verabschiedet, und durfte auch nicht mit Aung San Suu Kyi zusammentreffen.
Ein sehr persönlicher Hintergrundbericht über die Abläufe rund um den 8. August 1988 findet sich auf irrawaddy.org: Dominik Faulder hatte sich bis 6. August in Rangun aufgehalten, und beschreibt auch, weshalb das Militärregime die damaligen Proteste als ein aus dem Ausland geschürtes Komplott beschrieben hat: Die erste Meldung über den Protesttermin 8. August kam über BBC Radio.
…it was the BBC that finally communicated one of the most crucial pieces of information: the demonstrations would begin on the morning of August 8, in other words on 8/8/88. The report came from a young correspondent, Christopher Gunness. Though it was a first-rate piece of news reporting precisely reflecting the word on the street, the Burmese authorities have since attempted to misrepresent it as evidence of some kind of international conspiracy.
ASSOCIATED PRESS berichtet heute von den Protesten aus Anlass des Jahrestages, vor allem den Kundgebungen vor Chinesischen Botschaften in Thailand, Bangkok und Manila:
They chanted “Free Burma, Free Aung San Suu
Kyi,” burned a Burmese flag and threw red paper airplanes over the embassy wall with the message “We will never forget. We will never give up. 1988.”
Die AUSTRIA PRESSE AGENTUR reiht sich in den Burma-Bush-Olympia Zyklus ein, und fasst (siehe Wortgleiche mit obigem AP-Artikel) das Gedenken an den 8. August zusammen:
In Rangun wurden vor dem Jahrestag die Sicherheitskräfte verstärkt. Hunderte Bereitschaftspolizisten waren an wichtigen Kreuzungen zu sehen. “Ich habe jede Hoffnung verloren, dass sich etwas durch Massenproteste ändert”, erklärte der Dissident Min Aung, der schon 1988 auf die Straße ging und auch im vergangenen Jahr wieder demonstrierte, als buddhistische Mönche Proteste gegen Preissteigerungen anführten. “Es ist schwierig, Proteste zu organisieren, weil viele Führer inhaftiert sind oder sich verstecken müssen.” …. Etwa 100 Demonstranten versammelten sich vor der Botschaft Burmas in Bangkok und skandierten “Befreit Burma, befreit Aung San Suu Kyi”. Sie warfen rote Flugzeuge mit der Aufschrift “Wir werden nie vergessen. Wir werden nie aufgeben. 1988″ über die Mauern auf das Botschaftsgelände. Auch vor den burmesischen Vertretungen in Manila und Tokio versammelten sich Demonstranten
Das Blogger-Netzwerk ‘Blog 4 Burma’ berichtet weiterhin von den Geschehnissen rund um das unterdrückte Volk, an Jahrestagen, Glücksdaten, aber auch ganz normalen Werktagen:
Wenig Aufmerksamkeit für Burma zur Zeit: Genau hier will das Netzwerk “Blog 4 Burma” einhaken, genau jetzt sind wache Notizen, Berichte und Beobachtungen von Nöten. Einige der Meldungen aus den letzten Wochen laufen allerdings in divergente Richtungen, Nachdenklichkeit des Bloggers ob der zu findenden persönlichen Position hält Einzug, anbei die Trackbacks zu Medienfunden sowie der Versuch einer Einordnung in das individuelle Weltbild.
1) Ausführlich dokumentiert auf Birma News United und in|ad|ae|qu|at fabuliert Alice Schwarzer über beschauliche touristische Impressionen ihrer Reisen durch das Land. Freundliche Menschen, berauschende Landschaft und ein autoritäres Regime als “das kleinere Übel für die Bevölkerung ” fügen sich in ihrer Burma-Saga vom 1. Juni in der FAZ zu einem Panoptikum an Verharmlosung, Schönschreib und mitteleuropäischem Neckermann-Blick auf die Situation.
Fazit: bitte unbedingt hinfahren, die Leute dort können jeden Kyat brauchen, und eigentlich ist es eh sehr schön und die Menschen ertragen ihre Armut in Würde (OK, recht pointiert zusammengefasst, doch über den Link kann sich jeder selbst informieren). Trotzdem bleiben auch beim kritischen Leser einige Phrasen hängen, Bilder verschieben sich, selbst war man noch nie dort, wie ist das wirklich?
2) In diese Nachdenklichkeit dringt ein weiterer, aktueller und authentischer Reisebericht: Manfred Rist fährt in der NZZ vom 5. Juli “In der Upperclass von Rangun nach Moulmein” (kein Online-Link möglich), gemeint sind damit komfortable Zugswaggons aus britischer Kolonialherrschafts-Zeit, welche immer noch im Liniendienst im Einsatz stehen. Eine vor allem auch kulinarische Expedition, kann sich doch der Autor kaum der Köstlichkeiten erwehren, die da während der Zugsfahrt an seiner Nase vorbeigetragen werden. Genüsslich wird in den schaukelhemmenden Fauteuils geschlemmt, und auch für das Rundherum ist gesorgt, Zitat: “…Dass nach dem Schmaus kein Wunsch offenbleibt, dafür sorgen die Händler - die meisten noch im Kindesalter -, die in unermüdlicher Arbeit durch ein Abteil nach dem anderen stapfen und von Wasser und Tee über Kaffee bis zur typischen Cheerot-Zigarre und zum Zahnstocher alles anbieten… “.
Und dann, ganz im Tone von Schwarzer, einige schwer verdauliche Zeilen, Zitat: “…Burma ist der ideale Ort, über die Moderne nachzudenken. Als Antithese zur Globalisierung verweigert sich der Staat dem Kommunikationszeitalter und definiert seine Untertanen als selbstgenügsame Landwirte. Leben bedeutet Überleben. Der Tag wird nicht durch Kunstlicht verlängert. Die Rollen in Familie und Gesellschaft sind klar. Gehorsam und Genügsamkeit sind Ausfluss der buddhistischen Lehre. Geben ist wichtiger als Nehmen…”. Manfred Rist steht nicht an, auch die unmenschlichen politischen und humanitären Tatsachen kurz anzuschneiden, in der Gesamtbalance des Artikels wirkt dieser Absatz aber wie eine journalistische Pflichtübung, ein minderer Makel in dem Land, wo man noch so richtig mit der Natur im Einklang leben kann, und das fehlende Kunstlicht alternde-ex68er endlich wieder zu “antithesischen” Höhenflügen animiert.
Auch hier verrutschen beim Leser eingeprägte Muster: Terror, Morde und Willkür des Regimes treten in den Hintergrund, das Alltagsleben in Burma scheint doch unabhängig von sachlich-politischen Meldungen recht gut zu funktionieren, wie kann man hier als wacher Beobachter eine klare Position im Sinne der Menschlichkeit finden?
3) Als APA-Meldung vom 7. Juli finden sich folgende Zeilen: “Es herrscht Zuversicht und Hoffnung.” So beschreibt der vergangene Woche aus Burma zurückgekehrte Österreichische Rotkreuzhelfer Herbert Thaler die Stimmung im Katastrophengebiet….Herbert Thaler wäre gerne noch länger geblieben: “Burma ist
interessant und die Leute sind sehr freundlich.” Er ist froh, dass sich das Land “zumindest ein bisschen” von der Naturkatastrophe erholt hat.
Drei Berichte, drei Momentaufnahmen: Einerseits bringen diese ein Land näher, dessen Alltag so fremd anmutet, vor allem Schwarzer aber schraffiert da mit rosarotem Buntstift gegen die Tatsachen der unmenschlichen Repression der Menschen. Wenige Fakten schon ergeben ein kohärentes Abbild der Allmacht der Junta, der Willkür und des Selbstzwecks. Nicht zufällig steht Burma auch an der Spitze der von Transparency International geführten Liste der korruptesten Länder der Welt.
(Seitenanmerkung: Der auch in Blogkreisen oft zitierte FORBES-Artikel zu diesem Thema steht alleine für sich, ohne stützende Agenturmeldungen, ohne Hinweise auch auf den Webseiten von Transparency International. Dieser mit 27. Juni 2008 datierte Artikel nutzt scheinbar die Daten des Korruptionsberichts 2007, da das Thema des aktuellen Berichts 2008 “Korruption und Wasser” war, und Burma/Myanmar in diesem aktuellen Bericht nicht vorkommt.)
In diesem Sinne sei auf die aktuellsten Beiträge aus dem B4B-Netzwerk verwiesen, nur durch die Vielfalt, den Vergleich und die umfassende Recherche kann sich eine gesicherte persönliche Meinung herausbilden:
dank fussballgrossereigniss direkt vor der haustüre bleibt es einem nicht erspart, all medienkanäle voll einschlägiger berichterstattung vorzufinden: entzug kaum möglich, daher hier eine medien-gegenüberstellung zum thema “behübschte berichterstattung: text: ORF-Online um 19h23 veröffentlicht video: dnevnik.hr um 20h29 veröffentlicht
“…Über 2.000 Fans versammelten sich vor dem Stephansdom, wo sie immer wieder bengalische Feuer entzündeten und Straßenlaternen und Denkmäler mit heimatlichen Fahnen drapierten. Aus Hunderten Kehlen ertönten “Ole! Ole! Ole!”-Rufe und “Schlachtgesänge”. Die Polizei hatte vorerst keinen Grund einzuschreiten. “Es ist vorerst friedlich und ruhig. Wir hoffen, dass es weiter so bleibt”, meinte ein Kommandant an Ort und Stelle….”
blaulichtfahrt der ex-gendarmerie-nunmehr-polizei durch ein verschlafenes grenzdorf : huch , da sind wohl schon horden fanatischer hooligans aus dem startbahnhof des zuges angekündigt , geheime kommandokanäle flüstern eskalierende codeworte , leib&leben in gefahr , bringt kinder&tiere in sicherheit !
doch : weit gefehlt. lässiges schlendern der bewehrten truppen innerhalb und außerhalb der waggons , ein adrettes trüppchen britischer touristen muss als alibihandlung pässe und gesichter ins licht halten , im dienstlaptop erhofft man sich einen “match” mit der terror-datenbank : nichts.
am zielbahnhof dann weitere obskuritäten :
der örtliche bäcker musste sessel+tische wegsperren , auch porzellan-kaffeetassen sind während em08 tabu , metall-löffel sowieso , plastikbesteck und holzspachteln sollen die unbeteiligte wienerin vor fürchterlichen verletzungen bewahren .
tu , miser austria , timeo . ( stimmt die form ? )
immer wieder die ( gültige ) frage nach grenzen und entscheidungen:
eine recht gute artikel-abfolge im österreichischen “Standard” macht nachdenklich über den “Schwellwert”, ab welchem eine ( militärische ) intervention in einem land möglich, sinnvoll oder gar notwendig erscheint. genügt “unterlassene hilfestellung” (wie zur zeit in Burma), oder müssen tötungen und großflächige verdrängungen unter minderheiten geschehen ( wie in srebrenica ), um das eingreifen anderer staaten zu rechtfertigen ? wie lange kann eine gewaltregierung die “einmischung von außen” blockieren? wie sehr muss ein volk leiden, bis es aktives eingreifen anderer staaten erwarten darf?
der artikel von hans rauscher findet sich auch online verlinkbar, er verweist auf robert d. kaplan welcher ein militärisches eingreifen der USA in Burma befürwortet. Rauscher gibt sich vorsichtiger, wägt ab, kann sich letztlich aber auch nicht zu einer meinung durchringen und formuliert allgemein:
“…Aber im Grundsatz sollte eine militärische Intervention zur Durchsetzung humanitärer Hilfe nicht undenkbar sein.” (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.5.2008)
„Wir sehen in Burma nicht eine klare Absicht der Führung, die Bevölkerung zu schikanieren, sondern eine chronisch schlechte Regierungsführung, unter der das Volk leidet“ (DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2008)
“chronisch schlechte regierungsführung” ist dabei wohl die maximal mögliche untertreibung. wenn dies der berater von ban ki-moon so formuliert, wird wohl der besuch des UN-generalsekretärs in Rangon heute mittwoch keinerlei druck auf die junta und keinerlei hilfe für die bevölkerung als ergebnis bringen. eine “geberkonferenz” ist sicher sehr willkommen, wenn das geld dann von den machthabern persönlich in die eigenen taschen verteilt werden kann.
die formulierung “unpolitische hilfe” im titel kommt aus einem bericht von rt in der nzz. im laufe der eben abgeschlossenen ASEA aussenminister-konferenz in singapur soll die militärregierung zu einer öffnung für hilfsgüter bewegt worden sein, allerdings nur wenn diese hilfe nicht direkt von “westmächten” oder der UNO, sondern über den umweg einer ASEAN-schirmherrschaft angeboten wird:
“…Unter der Leitung von Asean-Generalsekretär Surin Pitsuwan und in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen soll Burma mit dem Aufbau eines Koordinationsbüros beginnen. Beobachter verstehen darunter, dass bei den Hilfeleistungen die Uno als treibende Kraft wirkt, zur Gesichtswahrung aber die Asean eine aktivere Rolle spielt…” (nzz, printausgabe, 21. mai)
der französiche aussenminister bernard kouchner dagegen fordert laut in einem artikel in der nzz eine intervention:
“In der Tageszeitung «Le Monde» schrieb der französische Aussenminister Bernard Kouchner, wenn der Sicherheitsrat nicht handle, mache er sich der Feigheit schuldig.” (Roman Elsener in der nzz-printausgabe vom 20.mai)
ein wirklich interessanter artikel zur entwicklung der militärregierung und dem aufgezwungenen namenswechsel von Burma nach Myanmar ist von Gunther Neumann zu finden: mit seinem praktischen wissen aus dem land kann er auch plausibel darlegen, dass diese beiden landesnamen in Burma selbst überraschender weise recht ähnlich klingen, und das “M” nur eher dem “Hochburmesisch” zuzurechnen wäre. überraschend auch die mitteilung, dass George Orwell einige jahre als britischer militäroffizier in Burma stationiert war. Die (auch innerhalb B4B geführten ) Diskussion über Burma, Birma oder Myanmar jedenfalls scheint mit diesen einsichten geklärt:
“…Tatsache ist: Myanmar hat den gleichen Ursprung wie Burma (in deutschen Medien meist Birma), und wird in der Landessprache auch faktisch gleich ausgesprochen…”, “…Auch die internationalen Medien sollten sich nicht länger ein M für ein B vormachen lassen.” (Gunter Neumann, DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.5.2008) (Zum Autor Gunther Neumann studierte Geschichte, Kulturanthropologie, Völkerrecht und Sprachen in Wien und Paris. Lange Jahre in Asien, u. a. in Burma als Korrespondent sowie in leitender Position bei internationalen Organisationen für konsensuale Konfliktlösung tätig)
Solche Berichte machen einfach nur wütend (Auszüge aus den obigen zwei Artikeln):
“Wir haben schon gesehen, dass regionale Kommandanten ihre Namen auf Hilfslieferungen aus Asien geschrieben haben und behaupten, es sei ein Geschenk von ihnen”
Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck “Hilfe aus dem Königreich Thailand”.
Internationale Beobachter rapportieren die Spekulation , die Administration würde Hilfsgüter als Gegengabe für ein “YES”- Votum beim Referendum horten .
Unsere weitere Recherche bringt einzelne Augenzeugen-Berichte zutage (Quelle: Radio Free Asia):
“The division commander came on May 7 and dropped the things [aid], saying they were for the victims. They were distributed to the camps and schools where the victims were. The division commander went around and gave the things. On the boxes, it was written ‘General Myint Shwe’—it’s stamped on the boxes. There are snacks and Quaker oatmeal in those boxes. They’ve been stamped ‘General Myint Shwe.’ In those schools they videotaped and took pictures. Soon after the division commander had left, the township chief and the township SPDC [junta] chairman took everything away from the victims. These things never reached the victims.”
“There are no rescuers. They don’t come here. In the city of Pyapon, however, the USDA and all are just idling. Only when the authorities come would they surround them and tried to be in the video. They’re just faking it by being the USDA and firemen. They don’t really provide help.”
Schon nach dem Tsunami von 2004 (lange vor der Zuwendung im Rahmen von “Blog4Burma”) war uns das Vakuum in den Berichten aus Burma aufgefallen, damals noch als exotische Randnotiz im lauten Mediendröhnen. Nun, bei näherer Betrachtung, kann man sich leider vorstellen, welches Leid damals schon im Land vertuscht worden war.
Erschreckende Realität:
Als Teil des Netzwerks “Blog4Burma” beobachtet man seit einigen Monaten Medien und Meldungen aus und zu Burma, politisches vor allem, sammelnd, vergleichend, suchend, abwägend. Zunächst das große mediale Interesse nach den brutal niedergeschlagenen Demonstrationen, danach das Abgleiten in die Kleinspalten, bis zur medialen Stille zwischen Januar und April. Keine Treffer bei der Agentursuche, geringe Hoffnung auf ein demokratisches Wunder rund um das Referendum, Stagnation der Aktivitäten von UNO, EU, USA.
Dann das: 100.000 Tote. Einige Tage Paralyse, was da mit dem Land, welches aus der Entfernung nun doch schon etwas näher ans eigene Bewusstsein gerückt ist, passiert ist, alle Schlagzeilen voll, kaum echte Informationen direkt aus dem Land, was kann/soll man da als “kleiner Blogger” hinzufügen, recherchieren, analysieren? Weitermachen jedenfalls, durch die Stille und den Sturm, Anteil nehmen, hinhören, verknüpfen, darstellen, Informationen suchen, vergleichen, aufbereiten.
Zur Erinnerung: die Flutwellen des Tsunami zur Weihnacht 2004 haben 225.000 Opfer gefordert, entlang einer großen Ausdehnung, nun ist man alleine im Irradawwy-Delta schon nahe an dieser Bilanz. Damals jedoch: viele Touristen unter den Opfern, intensivste Anteilnahme europäischer Regierungen, Krisenstäbe, Nachtkonferenzen, wochenlange Großberichte, aufwändige Spendenaktionen. Trotz einiger “erster Seiten” steht die Katastrophe in Burma hier im Vergleich weit zurück.
Gedanken nach konkreten Möglichkeiten: hat man in den letzten Monaten wirklich echte Kontakte geknüpft, die nun sinnvoll einsetzbar wären? Könnte man Geld/Sachspenden direkt an Betroffene bringen? Könnte man bei Regierungsstellen, beim Heer, beim Roten Kreuz konkrete Anliegen formulieren, Mithelfen, tun — ?
Uns vor einer ausweichenden Antwort drückend, klicken wir rasch weiter am Computer herum, Spenden kann man doch gut auch im Virtuellen Sammeln:
mhhh, vielleicht sollte man mal das naheliegende aufsuchen und Kontakt mit dem Austrian Burma Center aufnehmen, das klingt schon nach sehr persönlichen Kontakten ins Land?
Einen der Spendenlinks haben wir nun konkret genutzt, die nichtgegebene ausweichende Antwort von weiter oben liegt uns noch schwer in der Magengrube. Wie jedoch kommt nun die Kurve zurück zu Blog4Burma, zur Analyse, zur Politik? Nun, legen wir eine Linkschleife zu Herrn Jörg Lampe, er bemüht sich redlich um die Beobachtung von NGO-Kampagnen im Web 2.0, da weist man als Blognetzwerker (und nicht-NGO) gerne drauf hin: auch wenn wir diesen Link erst nach Erstellung der bisherigen Absätze auffanden, ergeben sich natürlich inhaltliche Parallelen:
Und das Referendum? Unsere persönliche Ansicht direkt nach den ersten Meldungen entsprach ungefähr den nun ablaufenden Entwicklungen: Die Junta hält trotz der Katastrophe am Referendum fest, zu groß die Angst, dass in den nächsten Tagen eintreffende ausländische Hilfskräfte auch politisch Einfluß nehmen könnten. Zu verlockend, die Absicherung der eigenen langfristigen Pläne im Chaos noch besser einrichten zu können. Einsichtsvolle Artikel dazu auf CNN, Mizzima und VOA:
Uns bleibt die minimale Hoffnung, das Unglück möge neue Wege für das unterdrückte Volk eröffnen, dauerhafte Hilfswerke, Institutionen: Tatsachen schaffen, denen sich auch das Regime nicht entziehen kann. Aus dem Leid auch Kraft für die Überlebenden durch die Wahrnehmung der Außenwelt, Durchläßigkeiten, Meinungsbildung, Umschwung, nachhaltige internationale Aufmerksamkeit.
Uns bleibt die minimale Hoffnung, 100.000 Menschen sind nicht völlig sinnlos verstorben.
So war das nicht beabsichtigt: Sonntag Abends hingesetzt, um weitere Details über Kurzwellen-Radiosender zusammenzufassen, da schlägt der Agentur-Client mit einer Eilt-Meldung zu Burma an (Quelle: APA.at) :
Augenzeugen: Zwei Bombenexplosionen in Rangun
Utl.: Keine Angaben über Opfer =
Rangun (APA/AP) - In Rangun (Yangon), der größten Stadt Burmas, sind am Sonntag nach Augenzeugenberichten zwei Bomben explodiert. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Bomben seien in einem Abstand von etwa einer Stunden an zwei verschiedenen Orten im Zentrum detoniert, erklärten die Zeugen. Sie wollten ihren Namen aus Furcht vor Repressalien durch das Militärregime, das in dem südostasiatischen Land herrscht, nicht veröffentlicht haben. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Bisher bekannte sich niemand zu der Tat.
Die Originalmeldung der Associated Press erwähnt auch Details über Orte und Fahrzeuge(Quelle: AP) :
The witnesses, who insisted on anonymity for fear of official reprisal, said the first blast occurred on a downtown Yangon street at around 8 p.m. local time (1330 GMT). The second took place about an hour later on a different street near the luxurious Traders Hotel, the witnesses said. There was no known claim of responsibility and authorities did not immediately mention any suspects or confirm what caused the blasts. The first bomb damaged a car beneath which it was hidden, said witnesses who live nearby. They said the other bomb was also placed under a car. No other details of either blast were available. Few people were in the streets at the time. Security and riot police quickly blocked off both blast sites.
Sogleich setzen die News-Instinkte ein, eifriges herumklicken nach weiteren Meldungen, Updates, Querverbindungen. “Democratic Voice of Burma” hat diese Meldung noch nicht, auch auf “Irrawaddy” gibt es keinen Eintrag. BBC, VOA, RFA sind ebenfalls damit nicht online. Beim eigenen Nachdenken kommen Fragen auf: Wem würde ein Attentat nützen?
Die Repressalien verstärken sich nur, das Militär hat nun Anlass, noch mehr “Verdächtige” zu verhaften: der bloße Ansatz einer Aufmerksamkeits-Aktion für die “Vote NO”-Bewegung scheidet als Grund für Bombenattentate wohl aus. Hier sollte nun genaue außenpolitische Sachkenntnis einsetzen, wer in Burma da solch einer Aktion interesse haben könnte.
Wir sind aber aber im Strudel der Aktualität auch schon wieder zweifelnd: Der Bericht über Kurzwellen-Sender wäre eigentlich sinnvoller gewesen, die Attentats-Meldung wird (je nach sonstiger Nachrichtenlage) morgen ohnehin in vielen Zeitungen erscheinen, der “Blogger-Reflex” der Nachrichten-Multiplikation hat aus aktuellem Anlass die Oberhand gewonnen. Als Lesehinweise sei aber auf gehaltvolle Artikel aus dem Blog4Burma-Netzwerk hingewiesen:
Aus der komfortablen Perspektive der mitteleuropäischen Mediensättigung ist es kaum vorstellbar, wie sich ein neutraler Informationsdienst via Kurz- Mittel- oder Langwelle für ein unterdrücktes Volk in Realitas abbilden könnte. Während Öffentlich-Rechtliche Rundfunkveranstalter allerortens die entsprechenden Ausstrahlungen einstellen, müsste, könnte und sollte “das Radio” eine der wenigen Möglichkeiten bieten, objektive Berichte der “Außensicht” auf Zustände unter die Bettdecke zu liefern (schaudernd denkt man an Berichte, wie unter nationalsozialistischer Herrschaft die freundlichen Nachbarn zum größten Feind werden konnten).
In September 2007, the village tract leader of Kun Mong village tract in Kaeng Tawng sub-township of Murng-Nai township, Burma, was summoned to the base of LIB 569 and detained by the military authorities for regularly tuning to foreign news broadcasts on his shortwave radio …. ….He often listens to the news broadcasts in Burmese from foreign radio stations like BBC and RFA, and spreads the news to make people hate the Burmese military.
Auch in einem Bericht über Aung San Suu Kyi anlässlich der Proteste zu ihrem 61. Geburtstag am 19. Juni 2006 wird ein Kurzwellen-Empfänger als einzige Verbindung zur Außenwelt erwähnt (commondreams.org):
Her most recent house arrest began after her convoy was attacked by a regime-backed mob during a political tour of northern Myanmar on May 30, 2003. The attack left four people dead and Aung San Suu Kyi was briefly jailed. She has had no contact with the outside world since, except for a short-wave radio and a monthly visit from her doctor. She lives with two maids but is not allowed to receive guests, including her two adult sons.
<Tarnen&Täuschen>
Kann Radio Menschen erreichen, Mut machen? Kann Radio glaubwürdige politische Positionen vermitteln, strukturelle Basisbezüge jenseits aktueller chronikaler Episoden? Zu Geschichte und Wirksamkeit von Piraten- und Geheimradios findet sich nicht allzuviel in den Speicherzellen der Webserver, exemplarisch für einige allgemeine Aufsätze hier der Artikel zu “Clandestine Radios” der rührigen Amateurfunker von DXING.com:
* Clandestine broadcasters are deceptive. They often lie about their location, sponsoring government or organization, and their intentions. Programming is essentially propaganda, and may largely be half-truths or outright lies.
* Clandestine broadcasters aim to bring about political changes or actions in a target country. They may want to incite revolution in another country or simply to influence the populace of the target country to be more sympathetic toward the country or organization operating the clandestine.
* Clandestine broadcasters are temporary. Since the purpose of a clandestine is political, clandestine stations usually leave the air quickly when political situations change.
Noch martialischer geht es auf den eher spekulativen Webseiten von clandestineradio.com her, fotografisch effektvoll wird mit Skifahrermützen in Mikrofone gesprochen (dadurch wird wohl eher der Stimmenklang leiden als dass die Anonymität verbessert würde). Hier findet sich ein kleiner Hinweis auf “Radio Free Burma“, alle weiteren Suchen fahren aber fest, dieses aus Australien strahlende Angebot scheint nicht mehr aktiv zu sein.
Nicht so leicht wie zunächst angenommen gestaltet sich auch die Suche nach den effektiven Sendungen von “Democratic Voice of Burma”. Auf den englischen Webseiten gibt es keinen Hinweis auf Frequenzen und Sendezeiten, erst im Burmesischen Portal finden sich On-Demand-Audio und technische Angaben (Praktische Navigationshilfe auf diesen Seiten in burmesischer Schrift sind die Bezeichner der Weblinks, die beim “hovern” im Browser unten links angezeigt werden.)
Auf der Suche nach “echtem” Radio wurden die Webstreams zunächst gemieden, die praktische Empfangbarkeit der für Burma gedachten Sendungen war aber in ersten Tests nicht möglich. In einem Gewirr aus Frequenzen, Sendeschemata und Antennenbedeckungen hoffen wir in einer nächsten Ausgabe von B4B mit drahtlos übermittelter Radio-Echtware aufwarten zu können.
Zunächst bilden daher die On-Demand Streams wenigstens Gelegenheit, mit einer der in Burma gesprochenen Sprachen (Arakan, Kachin, Karen, Karenni, Shan…) ein wenig vertraut zu werden. Hier ein Ausschnitt aus einer Nachrichtensendung von “Democratic Voice of Burma” (Norwegen):
Interessant dazu auch eine Meldung auf irrawaddy.org über den Richtungs-Streit hinter den Kulissen von DVB. 1992 von oppositionellen Parteien im Exil gegründet, versucht sich DVB seit 2003 mit “Äquidistanz nach allen Seiten” als unabhängiges Medienportal. Nun streben die Exilparteien wieder nach mehr direktem Einfluss auf die Berichterstattung von DVB, wie von einem Panel in Bangkok berichtet wird :
Maung Maung, the general secretary of the National Council of Union of Burma, in a prepared speech, said Burmese opposition groups need a media outlet that clearly represents their views and visions… ..The DVB is “our radio station [opposition groups],” he said, adding, “It was accepted and acknowledged within Burma as the voice of democracy.”…
Dass “Opposition” zur Junta nicht automatisch wohlmeinendes, demokratisches Tun bedeuten muss, spricht ein Manager von DVB offen aus:
Khin Maung Win, a DVB manager, said that in the past, news and editorial content were heavily censored by the exiled Burmese government and some DVB operations were overly dependent on outside groups. “We had to wait for a signature from a minister before we could buy batteries to operate the broadcasting equipment,” he said.
One foreign observer said he believed the Burmese exiled media has “grown up,” but some exiled politicians continue to live in the Stone Age.
Für nicht-Experten ebenso schwer erfassbar die wirklichen Hintergründe von “Radio Free Asia “, das aus Thailand nach Burma einstrahlt, ein Soundbite dieser Sendungen klingt so:
<Public Broadcasting Value>
Da wenden wir uns gerne vertrauteren radiophonen Gefilden zu: den guten (?) Onkeln und Tanten von BBC und “Voice of America”. Zunächst das Burmese Service des BBC World Service , mit einem Morning, einem Afternoon und einem Evening Program (GMT, of course):
Unsere unmittelbare Agenda ist in der weiteren Aufarbeitung von Frequenzschemata grob abgesteckt, hingewiesen sei auf die aktuellen Einträge der anderen Teilnehmer am “Blog 4 Burma”:
GetACoder ist eineVermittlungs-Seite, auf der man Programmier-Aufgaben mit einem Angebotsbereich ausschreiben kann, und Menschen mit entsprechenden Kenntnissen sich dann auf Basis einer “Versteigerung” um diesen Auftrag bewerben. Wettbewerbsfaktoren sind Ausführungszeit, Preis-Dumping und positive Bewertungen des Anbieters.
Relevant wird dis dadurch, dass auch kleinste Coding-Aufgaben angefragt werden können, ein Plugin für Wordpress beispielsweise, oder ein Teil an PHP-Code, welchen man selbst nicht schreiben könnte. Hier das Beispiel einer Anfrage mit Gebotsbereich 20-100$:
I recently purchased a web template with a flash banner. I need someone to customize this banner with my company’s name (Rockstarz), and change the links.
Ein Bewerber mit Namen “SRTechnolgies” aus Faisalabad, Pakistan, bietet an dies um 30$ zu erledigen und Antwortet:
Will be done right away.
Beispiel einer anderen Projektantwort mit Programmierern in Lahore, Pakistan und, ja, quasi “Zuhältern” in den USA:
Friends, I manage a Digital Ninja team that fits the requirements of the role you’re looking to fill. We are an Oklahoma-City based group that manages offshore resources. That gives you the cost-savings of using offshore resources without the hassle of communication issues that often arise when outsourcing. We provide you with a U.S.-based contact person who then distributes your work to the Digital Ninja team. One contact. A team of Ninjas. Simple process to us. Regards, Jay Kelly.
Mhhh… Ninja Team… Irgenwie bedrückend, diese Verläufe und dieses ganz offene Menschen- und Mannstunden- Dumping, irgendwie aber auch faszinierend, dass durch Internet und digitale Services ein Programmierer aus Pakistan relativ unkompliziert seine/ihre Dienste weltweit anbieten kann…
Sklavenmarkt oder wunderbare Chance für Menschen in schlechter gestellten Ländern?
Wochenlange Ratlosigkeit beim Blick in die Newsfeeds der großen Agenturen mit den Suchworten “Burma”, “Birma” und “Myanmar”:
Von der relativ intensiven Berichterstattung rund um die niedergeschlagenen friedlichen Demonstrationen im letzten Sommer/Herbst ausgehend, war für uns die vergleichende Forschung angesetzt, Quersichten wer - was - wann - wie Schreibt, Zeigt und Sendet. Nachdem sich (wie an sich erwartet) der Fokus der Ressorts “Foreign Affairs” auf andere Länder verschoben hatte, bricht auch die Berichterstattung über die Berichterstattung in sich zusammen. Worüber Schreiben, wenn nicht geschrieben wird? Was aufzeigen, wenn mangels direkt zählbarer Todesopfer kein “Einserkastl”, aber auch keine Kleinmeldung unter “Vermischtes” mehr aufzufinden ist?
Im Versuch der Zugangsfindung zeigen sich dann versprengte Meldungen über die Eingriffe der Militärdiktatur in den Alltag der Menschen, der Beschränkung an Zugang zu unabhängigen Medien, der Verhinderung von freiem Journalismus. Dabei wird unsere gängige Theorie, dass vermehrtes Medienangebot zwar unsägliche kommerzielle Auswüchse, doch auch ungefilterte Berichterstattung möglich macht, einer harten Probe unterzogen:
Dies kann maximal für distanzierte Beobachtung im fernen Ausland erfolgen, doch innerhalb eines kontrollierbaren Staatsgebietes besteht auch im Jahr 2008 immer noch die Möglichkeit, Meinungsterror über Medienkontrolle auszuüben. Vereinfachte Plattidüden wie “das findet sich ohnehin alles im Internet“, “über Satellitenfernsehen kann man sich sämtliche Informationen holen“, “mit SMS kann man spontan eine Demo organisieren“, oder “dann sollen sie doch Raubkopien unter dem Ladentisch verbreiten” verlieren angesichts der konkreten, kleinteiligen und leider recht geschickten Eingriffe der Machthaber rasch ihre flapsige Aussage. Anhand der einzelnen Technologien möchten wir Einblick in die Möglichkeiten an Medienkontrolle aufzeigen.
1) Internet Stichwort: Infrastruktur.
(Quelle: www.opte.org)
Buhlen in den Industrieländern zahllose Provider, Zugangspunkte und Terminals um die Gunst des Surfers, hängt der Breitbandzugang in Wirklichkeit am sprichwörtlichen “Seidenen Faden“: Alle Datenströme sammeln sich an den Backbones, den Glasfaser-Verbindungen zwischen Ländern und Kontinenten. Völlig real und non-virtuell muss es da Rohre und Leitungswege geben, völlig real benötigt man Router und Switches, Rechenzentren mit Klimageräten, DNS-Server und Proxies: Unmöglich, solche Strukturen im Untergerund zu betreiben, unmöglich, solche Aktivitäten langfristig an einer staatlichen Behörde vorbei zu unterhalten.
Bedenkt man dazu noch die Grundlegende Eigenschaft des TCP/IP-Protokolls, Verbindungsinformationen mitzusenden, und die inherente Punkt-zu-Punkt Kommunikation (im Gegensatz zu den Point-to-Multipoint Technologien wie Rundfunk) wird aus einem vermeintlich “offenen”, “anonymen” und “reduntantem” Netzwerk rasch eine fragile (Geheimdienst-) Falle.
Über restriktive Zugangskosten ($35.- je Anschluss), Genehmigungspflicht für Webseiten, Content-Filterung und Besucherkontrollen in Internet-Cafes wird die Nutzung im Land selbst unterbunden, durch Inhaftierung von Journalisten und Bloggern auch die Berichterstattung an das Ausland. Quote aus dem OpenNet-Initiative-Bericht zu Burma:
Network-ready computers must be registered (for a fee) with the MPT; failure to do so can result in fines and prison sentences of seven to fifteen years.14 Sharing registered Internet connections is also punishable by revocation of access and presumably similar “legal action.”15 Broad laws and regulations confer power upon the SPDC, which is also involved in all judicial appointments,16 to punish citizens harshly for any activity deemed detrimental to national interests or security.
Links, die man wirklich anklicken und lesen sollte dazu:
Wiewohl mit vertretbarem Aufwand dezentral herstellbar, bestehen die meisten Druckwerke im Gegensatz zum Internet-Blog aus einer vielzahl von in Ausgaben versammelten Artikeln. Neben den physikalischen Ressourcen braucht es dafür nicht nur eine einzelne mutige Person, sondern ein ganze Gruppe an entschlossenen Schreibern und Maschinisten. Auch Vetrieb und Zustellung bedürfen - Abseits spontaner Handzetteln - Logistik und Netzwerken. Relativ leicht gelingt auch hier der Zugriff eines Regimes, sichtbar etwa an der (fragwürdigen) Position der privaten, doch Regierungs-Geduldeten wöchentlichen “Myanmar Times“: am 18. Februar wegen Berichterstattung über die Erhöhung der Satelliten-TV-Gebühr vorübergehend eingestellt, findet sich am 25. Februar eine Meldung, dass das Blatt ab Mai sogar täglich erscheinen soll, Journlisten aus Australien helfen beim Aufbau einer Lehrredaktion.
3) TV
Stichwort: Empfang.
(Quelle: Originalseite nicht erreichbar, Titel “The Community Satellite Dish outside Yangon”)
Großer Aufwand im Studio, große Investitionen, teure Sender und Uplinks: Freies TV in einem unterdrückten Land herzustellen ist wohl undenkbar, dafür aber kann man mit einem Sender (an der Grenze) oder einem Satellitenkanal relativ flächendeckend unzensierte Berichte ausstrahlen. Empfang und Dekodierung dagegen sind nicht-trivial, strukturelle Sichtbarkeit der Empfangsantenne, das bläuliche Glühen des Bildschirms und Vernaderung durch regimetreue Nachbarn bilden schneller als gedacht Barrieren für die Meinungsfreiheit. Werden dann noch Antennen nicht komplett verboten, doch mit restriktiv hohen Gebühren belegt, findet sich wieder ein Hebel zur totalen Kontrolle der verfügbaren Information.
Birma hat die Gebühren für Satelliten-Fernsehen drastisch erhöht und den Zugang zu ausländischen Medien erschwert. Die jährliche Gebühr für die Nutzung einer Satelliten-Schüssel stieg um das 167-fache von umgerechnet 3,20 Euro auf 544 Euro.
4) Radio
Stichwort: diskretes Massenmedium.
(Quelle: asianews.net, komplette Originalseite nicht mehr erreichbar)
Hier kann nun adaequater Sachverstand ansetzen: Radio als erstes elektronisches Massenmedium, für Propaganda (siehe Drittes Reich) ebenso wie als klassisches “Piratenradio” zum Aufbau einer kritischen Öffentlichkeit. Bei den bisherigen Online-Suchen fanden sich außer den Standard-Links auf das staatliche Radioprogramm keinerlei Hinweise auf Radio-Aktivitäten innerhalb des Landes oder entlang dessen Grenzen, trotzdem wollen wir in Fortsetzungen dieses Artikels speziell auf die Möglichkeiten von Senden und Empfangen eingehen, mit konkreten Informationen zu entsprechenden Bebobachtungen in Burma falls verfügbar.
Anbei Links zu aktuellen Berichten über die Situation im Land, teilweise aus dem Netzwerk “Blog4Burma”:
abflug-tabellen am flughafen:
synonym für code-zeilen, neustarten, abheben
so schaut es bei mir am computer im moment auch aus. code-zeilen, spalten, reihen, raster, pixelzählen statt der erbsen, fontsize, backgroundcolor, und: ja keinen strichpunkt vergessen!
neuer ansatz für das layout, thematisch geordnet, bitte nun schreiben, endlich, aber:
please fasten my seat belt.
die letzten wochen: einige ideen für postings, doch immer noch der gedanke “ich muss das layout erneuern, bevor ich wieder posten kann”. unsinn eigentlich, da keine zeit für layout im moment schreibe ich einfach wieder.
die kommenden themen könnten gegensätzlicher nicht sein:
blog4burma liegt mir am herzen und bedarf dringend einer originären annäherung aus meiner persönlichen sicht. diese liegt teilweise vor mir, es geht also gut weiter.
die winter NAMM ist die hochburg der musikelektronik, alle entsptechenden seiten/blogs sind voll der vorfreude und gerüchteküche. hier gibt es meine ansichten zu den neuerungen.
eine fotostrecke über den öbb-bahnhof, den ich beinahe täglich frequentiere.
meine erfolge mit dem selbstbau+programmierung eines MIDI-controllers im rahmen des projekts MIDIBOX von thorsten klose
abstraktes und konkretes zum semantischen netz, zu ontologien, persistenten identifiern, zu rdf, xml und ähnlichem
meine erkenntnisse über den einstieg in das eclipse framework und den möglichkeiten, web-applikationen selbst zu programmieren
ein wesentlicher unterschied zwischen blogrolle und meinem denken ist die themenorientierung. meine idealvorstellung einer webseite wären rund 7 parallele gefäße, in die ich unabhängig hineinschreiben könnte, möglichst klar thematisch getrennt, nicht bloß durch kategorien und tags. das sollte wirklich so optisch getrennt sein, mit eigenem bild je projekt, eigenen links und files. ich bin mir nicht sicher, ob ich dies mit wordpress erreichen kann, deshalb schwebt mir immer noch ein umstieg auf drupal vor. dies wäre aber ein größeres projekt und in den nächsten wochen sicher nicht erreichbar.
fast wäre ich versucht, wie bei email üblich, zu schreiben:
mir das posten in den letzten tagen/wochen recht schwer fällt:
das neue design motiviert nicht wirklich, der schwarze hintergrund, das tv-testbild oben, blau auf weiss auf schwarz, zielmlich triste: das lässt ich noch recht einfach beheben
neben wordpress surfe ich viel bei drupal.org, überlegungen, den content von blog-zentriert auf dokumenten-bezogen umzustellen, versuche mit semantischen deklarationen anzustellen: das ist ein großer brocken, der mich einerseits unglaublich fasziniert, andrerseits eine blockade erzeugt, hier blogmäßig nochwas einzufüllen
die meisten der sich aufdrängenden themen sind entweder recht stark an mein tägliches arbeitsfeld gebunden, oder weisen sehr persönlichen character auf.
über die täglichem arbeitsgedanken kann/will ich nicht schreiben, das dieser blog innerhalb der firma nicht legitimiert ist (und ich auch keinen ansatz sehe, dies derzeitig durchzuboxen): postigfeld eins entfällt
über alltägliches, privates zu schreiben ist für mich ebenso unzulässig, neben der allgemeinen vermeidung von internet-exhibitionismus möchte ich auch speziell niemandem da draußen dichte hints auf mein tun und lasen vermitteln: postingfeld zwei entfällt
es zeigt sich wieder mal mein starker enthusiamus fürs aufsetzen, einrichten, ankurbeln und querdvordenken, und die schwäche, erreichtes alltäglich “auf die strasse zu bringen”: doch an sich sehnsucht danach, also einkehr angesagt
jetzt schon gedanken, wie man diese “unordered list” kategorisieren kann, taggen, in XML mit OWL auf Ontologien basiert formulieren, mit RDF wrappen und mit SPARQL abfragen, dem posting eine persistente DOI geben kann. ich lerne gleichzeitig java, javascript, php, python, perl, sql, API-calls und ein dutzend anderer kürzel (NICHT).
mhhh. gibt es schon spezialisierte psychologen für web-2.0-phobien da draußen?
nun habe ich eine woche “ausgelassen” (inadaequat war so freundlich die vorwöchliche-schau zusammenzustellen), bemerkenswertes ist in diesen tagen eher im hintergrund der b4b-gemeinschaft abgelaufen: wie sich zeigte, ist das gemeinsame anliegen aber wichtiger als kleine missverständnisse, das Thema hält zusammen, die gruppe ist gut aufgestellt, schön auch, das es einen weiteren weggefährten gibt: KHAIPI.NET
dank auch an breaking-news.de für das aktualisierte/personalisierte logo:
nun aber in die thematische sachlage: Achtzehn (ja, 18) Meldungen nur in der letzen woche, und auch das wahrscheinlich nur, da man (leider) über opferzahlen berichten konnte, das kommt immer gut im news-geschäft.
nie werde ich die selbsterlebte situation vergessen: lawinenabgang in tirol, zwei verschüttete vermutet, nein, keine meldung, dann ein toter gefunden:
jubelnder aufschrei des redakteurs: “super, wir haben einen toten, jetzt können wir die lawine spielen” (war ihm dann selbst peinlich, der tonfall des jubels…).
jedenfalls melden alle Agenturen den Bericht von UN-Menschenrechtsbauftragten Sergio Pinheiro, nachdem mehr als 30 menschen bei den demonstrationen im september/oktober getötet wurden, die burmesische Junta hatte 13 opfer zugegeben. dazu werden laut Pinheiro noch 74 menschen “vermisst”, 653 seien immer noch in haft:
auch dies im krassen gegensatz zur einer APA/DPA-meldung, in welcher der junta-Polizeichef Khin Yi von nur mehr 80 inhaftierten spricht.
auch die zahl der während der proteste in haft genommenen schwankt beträchtlich: 3.000 ist die eine zahl, 8.585 die andere, interessanter weise sind die vorzeichen hier einmal umgekehrt: die junta selbst gibt 8.585 freilassungen an, Pinheiro spricht dagegen von nur 3.000 gefangenen… sollte ich da etwas falsch verstanden haben, danke ich für aufklärung.
die “gute” nachricht zum schluss: “Der 52-jährige Kim Sok Chol wurde offiziell als neuer Botschafter Pjöngjangs akkreditiert”, die beziehungen haben sich nach einem vorfall aus dem jahre 1983 nach 24 jahren wieder verbessert: Nordkorea liefert wieder Militärgüter nach Myanmar..
ja, wie erwartet wird es still und immer stiller: keine toten, kein UN-gesandter, keine ver/enthaftungen: klassischer fall von non-breaking-news. Die haupt-themen der letzten woche in der APA kreisen um Naher Osten (Annapolis-Vorschau, Libanon-Präsidentendebakel), Dollarkurs, Ölpreis, Pakistan, Kosovo und Streiks zwischen Hamburg und Marseille. Kein Platz für die immer noch unterdrückten, inhaftierten, verängstigten bürger eines der vormals reichsten länder Asiens.
Grade mal 13 echte Meldungen in 7 Tagen bei der Österreichischen Presseagentur, 15 bei der Associated Press, kein einziger längerer Beitrag in den Ö1-Journalen. Was bleibt zu berichten?
Die APA meldet mit immerhin kritischem unterton die unterzeichnung der ASEAN-Menschenrechts-Charta durch Burma: eine Farce, werden doch der Junta schwere verfehlungen in diesem bereich zugeordnet. Da wurde die Philipinnische präsidentin vom ASEAN-Gremium scheinbar ignoriert, sie hatte vorab noch abgelehnt, dass vertreter der Junta diese Charta überhaupt unterzeichnen dürfen. Da passt es gut, dass die ASEAN Ibrahim Gambari explizit NICHT am ASEAN-gipfel auftreten lassen wollten….
Vermeldet wird auch der Aufruf von Ban Ki Moon an die Regierung Burmas, inhaftierte Kindersoldaten freizulassen, sowie (wir kommen zur chronikalen wissenschaft) ein neuer fall von Vogelgrippe im Land.
Mehr als eine Woche nach dem Aufruf von Laura Bush in den USA finden auch österreichische Politiker heraus, dass 90% der Rubine in den Juwlierläden aus Burma stammen, die Entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ, Petra Bayer, zeigt sich empört. Der EU-Boykott gegen Importe wird in Österreich durch direkte importe elegant umgangen, die Wiener Innenstadt-Juweliere (Heldwein et. al.) entdecken ihr herz für die das gemeine volk, und importieren Burma-Rubine weiterhin, um den bergarbeitern in den minen ihr vermeintliches auskommen zu sichern.
Associated Press berichtet exklusiv von einem geheimdokument der ASEAN, in welchem die konstituierung des Menschrecht-Beirats innerhalb der ASEAN dezitiert auch dem zweck dient, einmischung von außen von den mitgliedern fernzualten. der burmesische diplomat Thaung Tun sieht diesen beirat demnach auch als “konsultatives gremium”, jedoch nicht als organ zur tatsächlichen kontrolle von verstößen gegen die charta.
AP zitiert auch den chinesichen premierminister Wen Jiabao, er spricht sich für die öffnung Burmas aus, lobt die aktivitäten der UN, und zählt auf das burmesische volk im kampf um die langsame entwicklung einer demokratischen linie innerhalb des landes. China, immerhin Burmas größter handelspartner, schlingert damit zwischen unterstützung und vorsichtiger distanz zur Junta: man weiß ja nicht wie sich die entwicklung fortsetzt, und hält sich alle optionen offen…
Damit endet die kurze liste an agenturmeldungen. Die ORF-Radios brachten letzte woche nur kurzmeldungen, berichten jedoch von einer gemeinsamen erklärung von EU und ASEAN mit der aufforderung an die junta, inhaftierte demonstranten freizulassen. eine meldung, die in den anderen feeds bisher nicht zu finden war.
Liebe Kolleginnen und Kollegen im Blog4Burma-Netzwerk: nun geht es darum, das thema nicht aus den augen zu verlieren, hier die postings aus der letzten woche:
schaun wir doch mal, ob unser langer atem reicht, dass auch top-blogger wie robert basic (dem wir für die initiale aufmerksamkeit dankbar sind) auch wieder mal das thema Burma in ihre postrolle übernehmen (letzter Eintrag vom 30 Oktober).